Gigaliner: Städtetag und Schlaglochkünstler fordern Schlaglochgebühr für LKW

Nach dem grünen Licht für überlange LKW hoffen Kommunen und Straßenbauartisanen auf finanzielle Unterstützung.

Bereits 2013 forderte der Deutsche Städte- und Gemeindebund, einen Teil der LKW-Maut der Instandhaltung des kommunalen Straßennetzes zuzuführen. Speziell im ländlichen Bereich zählen Schlaglöcher zum gewohnten und liebgewonnenen Straßenbild, welches der aufwendigen Pflege bedarf. Schon damals schlossen sich lokale Schlaglochkünstler und -produzenten der Forderung an. Diese geriet in Vergessenheit, doch mit der Einführung des Regelbetriebes sogenannter Gigaliner kommt nun wieder Bewegung in das Anliegen.

Schlaglöcher entstehen entgegegen der landläufigen Meinung in kunstvoller und mühevoller Handarbeit. "Hinter jedem scheinbar gewöhnlichen Schlagloch steht das Wissen und die Erfahrung eines ganzen Künstlerlebens. Von der Skizze bis zur Ausführung vergehen meist Monate.", so Hartmut Schlägel vom Bundesverband Deutsches Schlagloch (BDS).

Während PKW einem Schlagloch nur wenig anhaben können, vermögen es LKW schon innerhalb weniger Wochen, die ursprüngliche künstlerische Aussage vollkommen zu zerstören. Gigaliner werden diesen Prozess noch beschleunigen. "Sie fahren ja auch nicht mit einem nassen Schwamm über Aquarellarbeiten von Picasso!", so Schlägel weiter.

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Schlagloch-Künstler aus Passion: Hartmut Schlägel – Viel zu späte Anerkennung der künstlerischen Leistung

Über die Jahre haben sich die Enttäuschung über die Nichtbeachtung und die fehlende Anerkennung der künstlerischen Leistung der hier geleisteten Arbeit fest eingebrannt. "Das schlug sich natürlich auch in der Qualität und künstlerischen Ausprägung der Schlaglöcher nieder. Manche Künstler haben ihre Werke aus purer Frustration selbst wieder zugeteert und ihre Arbeit gar nicht erst bei der Gemeinde in Rechnung gestellt. Viel Geld gab es ohnehin nicht. Wir hoffen, dass sich das jetzt ändert."

Verquer.Org drückt die Daumen!

  • Phacops suebii

    Ist das Kunst oder kann das weg?
    Nachdem immer mehr Lokale Kunst Warner diese einmaligen Kunstwerke zerstören, bleiben nur noch zwei Möglichkeiten:
    1. Wir erheben die deutschen Straßen zu UNESCO Weltkulturerben oder
    2. Wir verbringen die restlichen Exemplare dringend in unsere Museen. Dort sind sie vor den benausen geschützt.
    Rettet das Deutsche Schlagloch!

    • Ich unterstütze beide Ihrer Vorschläge - bedingungslos.

      1. Die Erhebung deutscher Straßen zum UNESCO Weltkulturerbe dürfte für eine erhebliche Verkehrsberuhigung sorgen.

      2. Ich gehe noch heute Nacht los und nehme ein Schlagloch in meine Obhut.

      Sie sind ein Mann der Initiative und ich schließe mich dem an: Rettet das Deutsche Schlagloch!

  • PigPen

    Meinen beiden kombatanten Vorrednern zum Trotze möchte ich darauf hinweisen, dass das schottische Loch im Gegensatz zum deutschen Loch klar, rein, eiskalt und zum Brennen geeignet ist. Wohingegen das deutsche Loch, eine meist mit Regenwürmern durchsetzte Brühe, höchstens als Fettecke im musealen Gebrauch nach ausreichendem Genuss einer in sherryfassgelagerten Exegese zu genießen ist. Was bleibt ist der Schlag ins Kontor deutscher Gemeindekassen. Letzteres führt mich dazu, die Forderung zur Aufnahme derselben Löcher in das Weltkulturerbe vorbehaltslos wider bessern Wissens zu unterstützen. Es reicht nicht, dass nur die Autobahn bereits ins geistige Eigentum der Weltgeschichte eingegangen ist!
    Das deutsche Schlagloch heilt noch jede Achse im Sinne seiner Parabel.

    • Zum Thema der sherryfassgelagerten Exegese muss ich zu meinem persönlich erfahrenen Leidwesen bemerken, dass das unter Zuhilfenahme gärungs- und reifeprozessierter Liquide forcierte Bemühen um das Ergründen und Verstehen von z. B. moderner, mitunter abstrakter Kunst, von musealer oder galeristischer Seite weniger mit Wertschätzung, denn mit einem Hausverbot belegt wird. Ich selbst fand den perzeptionell-intellektuellen Zugang zu einer (abstrakten, dennoch formschönen) Skulptur von Hans Arp erst nach einer 4 3/4stündigen, oben genannten Reflexion und mich – nach einem mir nicht mehr vollständig erinnerlichen Handgemenge – in der Ausnüchterungszelle wieder. In jeder Hinsicht eine ernüchternde Erfahrung.

  • Das Schlagen von Löchern sollte ganz unterlassen werden.

    Es sollte erste Aufgabe der Schlaglochschutzvereinigung sein, den bedingungslosen Schutz der Schlaglöcher einzufordern und auch durchzusetzen. Ich gehe jetzt in die kalte Nacht und werde ein paar Schlaglöcher mit Wasser auffüllen, damit sie nicht darben müssen.