Mein neues Sofa: Von einer willkommenen Fehllieferung und einer Grenzerfahrung am Abgrund des Menschenverstandes

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Ich habe mir ein Sofa bestellt. Einen 2-Sitzer. Vor 2 Tagen erreichte mich das Möbel. Ein bisschen groß. Größer als gedacht. Naja, wird schon stimmen. Also in die Hände gespuckt und das Paket den schmalen Treppenaufgang hinauf ins Wohnzimmer. Runter mit der Folie, weg mit dem Karton und... es ist der 3-Sitzer der Serie. Den hatte ich nicht bestellt, da ich glaubte, dieser könnte zuviel Platz beanspruchen. Doch nun passt er wie Arsch auf Eimer und ich beschließe ihn zu behalten.

Die Büchse der Pandora

Da ich ein ehrlicher Mensch bin, lasse ich den Lieferanten wissen, dass mich die größere Variante des Sofas erreicht hat, aber ich das Möbelstück - gegen Entrichtung des Aufpreises - behalten möchte, womit ich glaube, dass beiden Seiten auf angenehmste Weise gedient sei.

Mich erreicht eine Mail des zuständigen Mitarbeiters, der sich für meinen Hinweis bedankt. Das Möbel wurde bei der Auslieferung vertauscht und ein anderer Kunde erhielt meinen 2-Sitzer. Ich werde gebeten, die Abholung des verpackten Möbels vorzubereiten. Ich teile mit, dass ich die Verpackung bereits angesichts meiner Entscheidung, das Möbelstück behalten zu wollen, entsorgt habe. Auch sehe ich, dass der 3-Sitzer auf Lager ist und der andere Kunde ohne weiteres beliefert werden kann.

Ich rufe an: Mir wird mitgeteilt, dass das Sofa aufgrund eines klaren Reglements von Seiten von Amazon abgeholt werden muss und eine Nachfakturierung aufgrund dessen nicht möglich sei. Ich teile mit, dass ich Amazon nicht ob der Fehllieferung bemüht habe (Rücksendeantrag) und lediglich obige Mitteilung ob meines Wunsches, das fehlgelieferte Möbel behalten zu wollen, via Amazon versandte. Nach meinem Dafürhalten ist die Bestellung damit prozesstechnisch für Amazon abgeschlossen und das von mir angedachte Prozedere Gegenstand einer Einigung zwischen mir und dem Lieferanten.

Mir wird dargelegt, dass mein Ansinnen aus systemtechnischen Gründen nicht umsetzbar ist.

Ich weise nochmals darauf hin, dass ich das Möbel ausgepackt und die Verpackung entsorgt habe. Während des Hinauftragens durch den Treppenaufgang entstand zudem ein kleiner Kratzer, welcher es wohl verunmögliche, das Möbel als neuwertig zu verkaufen und ich nachwievor den Wunsch hege, die Falschlieferung im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf zu nehmen.

Es bleibt dabei: Man wird mir Verpackungsmaterial zusenden und die Abholung vorbereiten.

Die private Sachlage

Für die Lieferung nahm ich mir einen Tag frei, zur Verbringung des Möbels bedurfte ich der Hilfe Dritter. Sowohl ein freier Tag als auch ein Helfer stehen mir nicht beliebig zu Verfügung und teile mit, dass die Re-Verpackung vor Ort und das Verbringen des Möbels aus meiner Wohnung durch das Speditionspersonal bewerkstelligt werden müsse und dies auch nur Samstags möglich sei.

Die formelle Sachlage

Ich habe eine Falschlieferung erhalten, womit ich berechtigt bin, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Abholung wie Rückversand werden vom Verkäufer abgewickelt, der gezahlte Betrag wird zurückerstattet. So nebenbei teilt man mir ebenfalls mit, sei der von mir georderte 2-Sitzer - welchen ich gar nicht mehr haben möchte - nicht mehr original verpackt verfügbar ist und man nur original verpackte Ware ausliefern dürfe. Es bedeutet auch, dass der von mir entpackte 3-Sitzer nicht mehr als neuwertig verkäuflich ist.

 


 

Ich suche mittels Entkomplizierung zu ermutigen und lege dar, dass die Sachlage mittels einer Buchungs- und Lagerbestandskorrektur binnen Minuten bereinigt sein könnte. Eine Abholung und erneute Lieferung ließen sich damit auch noch sparen... da ich den 3-Sitzer behalten möchte. Wiederhole ich mich?

Die Rücksendung bleibt bei aller Argumentation erforderlich. Die klare und pointierte Offenlegung der Absurdität des Vorgangs fruchtet nicht und ich bedarf zweier Telefonate mit Freunden, die mir meine geistige Gesundheit bestätigen. Sie empfehlen mir, die Geschäftsleitung zu verlangen. Ich versuche dies, gerate aber an denselben Mitarbeiter, der eine Verbindung mit der Geschäftsleitung verweigert, da er schon der richtige Ansprechpartner für den beschriebenen Vorgang sei.

Da ich die für mich unfassbare Grenzerfahrung nicht weiter zu vertiefen wünsche und um meine geistige Gesundheit fürchte, ging ich - zwischen Erheiterung und Resignation - nunmehr den formalen Weg und setzte via Amazon die Rücksendung des Möbels in Gang. Als Grund gab ich "Es wurde ein anderer Artikel geliefert" an, womit mir Abholung und Rückerstattung gewährt werden. Gleichzeitig bestelle ich beim selben Anbieter den 3-Sitzer, welcher bereits in meinem Wohnzimmer steht und, da falsch geliefert, nunmehr abgeholt wird.

  • Du hättest bis nach der Abholung warten sollen und das gleiche Möbelstück dann gebraucht zu geringerem Preis erwerben sollen 😉
    Schöne neue Welt...

    • Es ist so absurd, dass man verlockt ist, einen Artikel darüber zu schreiben. Ich glaub's immer noch nicht und hab schon blaue Flecken von meinen Kniffen in den Oberarm.

      • Das ist ja auch Satire par excellence und passt durchaus hierher.
        Was lernt man daraus? Ehrlich zu sein kann unter Umständen auch allen Beteiligten schaden...

  • Alte Schachtel

    Quäl dich nicht, lieber Falko, schaue auf BER und lehne dich entspannt zurück. Außerdem: Der hierzulange herrschende Regelwahn hat mit Hilfe deines Sofas dazu geführt, daß einige daran Beteiligte einen kleinen Zusatzgewinn machen konnten - der Hersteller der Verpackung, Lieferanten, Tankstellenpächter, Telecoms ... die Liste läßt sich bestimmt noch erweitern.

    • BER: Gar nicht so falsch der Gedanke – am Ende ist ein Sofa ja durchaus als Start- und Landeplatz zu bezeichnen. Ich stelle jetzt besser nicht die Frage nach dem Brandschutz, aber diesbezüglich gleich mal eine Anfrage, ob die Kosten für meinen 3-Sitzer am Ende nicht doch Ländersache sind.

      Und ja, im Prinzip sichert der Vorgang Arbeitsplätze. Wenn nicht in den von Ihnen genannten Feldern, dann doch im therapeutischen Bereich, denn so ganz erholt habe ich mich immer noch nicht.