"Unannehmlichkeiten" oder DAX over matter - Kommentar

TEPCO und die Unannehmlichkeiten eines Super-Gau's: Von Moratorien, dem Atomausstieg, Laufzeitverlängerung und Energiepolitischer Appell und dem Shareholder Value.

Unannehmlichkeiten ist neujapanisch und steht für das wahrscheinliche Eintreten des Größten Anzunehmenden Unfalls (GAU) und die laufenden Versuche, diesen noch abzuwenden.

Die IAEA hatte bereits 2008 auf Mängel am AKW Fukushima hingewiesen, welche den Vorständen von TEPCO allerdings eher geeignet schienen, das Ansehen der eigenen Firma und vor allem den Shareholder Value zu beeinträchtigen, denn entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Vielleicht hilft das Abwerfen der Vorstandsmitglieder von TEPCO über den glühenden Reaktoren, diese abzukühlen - auf einen Versuch könnte man es doch ankommen lassen.

Vielleicht wären auch die Vorstände deutscher Energieversorger bereit, ihren Beitrag zur Eindämmung der Gefahr zu leisten, allerdings stehen diese im Augenblick im eigenen Land unter Druck und sind auf ihre Weise mit der Sicherung ihrer Radio-Aktiva beschäftigt:

Für sie ist das Moratorium der Bundesregierung und die mögliche Konsequenz auch mit Unannehmlichkeiten verbunden und man sucht derzeit nach rechtlichen Lösungen, um nach einer evtl. Abschaltung der liebgewonnenen Reaktorveteranen noch ein wenig Kohle aus dem Säckel der Steuerzahler herauspressen zu können, um die hauseigenen Aktienkurse zu befeuern, die ihrerseits derzeit beginnen ein wenig abzukühlen. Blieben die sieben Reaktoren dauerhaft vom Netz, könnte das Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe nach sich ziehen, hieß es bei den Unternehmen – Ersatz für den Schaden, den man nicht mehr anrichten kann. Ausschlaggebend sind hier nicht die Geigerzähler, sondern die Aktiencharts.

 

Satire EnBW Satire


Das Moratorium dürfte auch Folgen für den 45%-Anteil des Landes Baden-Württemberg  an EnBW haben, der, nach dem quasi im Alleingang getätigten Deal durch Ministerpräsident Mappus, ein Verlustgeschäft werden könnte – postnukleare Spätfolgen.

Zu ihrer eigenen Rettung drohen die deutschen Energiekonzerne der Regierung also mit einer Klage. Wir meinen indes, dass es langsam an der Zeit ist, den Herren Vorständen ihre Klagelieder gebührend auszutreiben und deutlich zu machen, wer in diesem Land den Ton angibt. Allzu lange gewährt man ihnen schon einen nicht unmaßgeblichen Einfluss auf die deutsche Energiepolitik, während auf der anderen Seite bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit der Kürzung oder Streichung von Investitionen in die alternative Energiegewinnung gedroht wird, wenn konzernseitig gestellte Rahmenbedingungen nicht erfüllt werden würden. Ad Absurdum wurde dies noch geführt durch einen "energiepolitische Appell", oder besser gesagt einer "energiepolitischen Erpressung", in welcher unverhohlen Drohungen und deren Vollzug, als natürliche Konsequenz aus möglichen politischen Gegenentscheidungen verkleidet, dem Bürger als rationale Folge vermeintlich politischer Unverantwortlichkeit untergejubelt wurden.
Darüber hinaus hat eine „Liberalisierung des Strommarktes“ keineswegs zu einem gesunden Wettbewerb geführt, als vielmehr zu willkürlichen Strompreiserhöhungen, die, gemessen an gesunkenen Einkaufspreisen, ruhigen Gewissens als kriminelle Wegelagerei bezeichnet werden können – die unseren werten Energiekonzernen allerdings nicht nachzuweisen ist.

All diese Begebenheiten, die eher an die Zustände in einer Bananenrepublik erinnern, denn an einen Staat mit einer demokratischen Verfassung und einem souveränen Bürger an seiner Spitze, lassen nur eine Konsequenz zu: Die Enteignung und Verstaatlichung der privatisierten Energiewirtschaft!

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An dieser Stelle möchten wir wissen lassen, dass wir nicht vergessen haben, vor welchem tragischen Hintergrund diese Debatte neu entfacht ist. Unsere Anteilnahme und unser aufrichtiges Mitgefühl gilt allen betroffenen Menschen in Japan, die in diesem Augenblick menschliches Leid erfahren oder gar den Tod geliebter Familienmitglieder und Freunde zu beklagen haben.

 

Nachtrag vom 18.03.2011:
Im Anschluss finden Sie eine gekürzte Fassung des gestern ausgestrahlten KONTRASTE-Beitrages der ARD zum Thema Reaktorsicherheit und den neu aufgestellten Prüfkriterien zur Bewertung derselben durch das Bundesumweltministerium.

Dem diesen Bericht zugrundeliegenden Prüfkatalog des Bundesumweltministeriums können Sie hier herunterladen.

Den vollständigen KONTRASTE-Beitrag können Sie hier einsehen.


verquer.org


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