Ohne Titel

Das Internet, die Telekom, Robert und Roberta, der Philipp, der Rainer, der Mindestlohn, Derrick und schönes Porzellan.

Gestern kurz nach 12h: Das Internet ist weg. Kein Zugriff möglich. Verdammt. Hat die Telekom unseren Artikel gelesen? Steckt der Geheimdienst dahinter? Sind wir schon auf der Liste? Oder haben Robert und Roberta beim Download des deutschsprachigen Internet aus Versehen anstatt auf “Kopieren” zu klicken “Ausschneiden” gewählt?

Egal, viel eingefallen war uns nicht und auch unsere obligatorischen Anrufe mit verstellter Stimme vermochten es nicht, die angespannte Situation in Nord- und Südkorea themengewinnend eskalieren zu lassen und unsere Briefe mit “einer unbekannten Substanz”, an diverse Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, wurden aufgrund unzureichender Frankierung wieder an uns zurückgeschickt. Eine volle Pleite. Auch das Feedback auf unseren Werbemarathon, mit welchem wir versuchten, via der Überlassung von Gratis-Schnellkochtöpfen und -Eieruhren, sowie einer Bastelanleitung für zeitgemäße Partygags, ein wenig Bewegung in die Besucherzahlen zu bringen, blieb unter unseren Erwartungen.

Was war denn so? Ach ja! Da war der Philipp Rösler (FDP), dem plötzlich der Gedanke kam, dass man für 3 Euro die Stunde nicht wirklich auf einen grünen Zweig kommen kann. Koalieren wolle er mit selbigem jedoch auch weiterhin nicht. Rainer Brüderle (auch FDP) brachte die lästige Mindestlohn-Debatte auf einen ganz anderen Punkt: “Wir haben in Deutschland Tarifautonomie. Das heißt, Gewerkschaften und Arbeitnehmer sind gleichermaßen in der Pflicht, einen Ausgleich zu finden.” und “In der sozialen Markwirtschaft legt nicht der Staat die Preise fest … . Wir haben Tarifparteien und betriebliche Mitbestimmung. Die Entscheidungen werden in diesen Strukturen gefällt.“, so Brüderle in einem Interview mit der B.Z.. So rät er denn auch allen unterbezahlten Arbeitskräften konsequent den Arbeitgeber oder gegebenenfalls gleich die ganze Stadt zu wechseln. Ans Auswandern hat der Rainer – wahrscheinlich saß ihm mal wieder eine weibliche Interviewpartnerin gegenüber – dabei gar nicht gedacht. Letztlich ist genau das sozialverträgliche Realpolitik bei gleichzeitiger Wahrung der Unantastbarkeit liberaler Marktgrundsätze und ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Dann war da noch ein (vor vier Jahren verstorbener) Horst Tappert, der als 19jähriger am 2.Weltkrieg teilgenommen hat und es wie viele andere zu jener Zeit auf das Verwerflichste versäumte, sich auf die Hinterbeine zu stellen und den Kriegsdienst zu verweigern. Bei der Obersten Heeresleitung, SS und Gestapo hätte das sicher gewaltigen Eindruck gemacht und am Ende auch jene “Kameraden” ein wenig nachdenklich gestimmt. In der Tat darf man sich die Frage stellen, warum einer der menschenverächtlichsten Kriege nicht schlicht durch eine breit angelegte Unterschriftenaktion verhindert wurde. Aber naja, “Shitstorm” wurde damals einfach noch anders buchstabiert und ein Grundelement des Internet hieß Autobahn. “Schauspieler” gab es nach dem Krieg übrigens viele, aber nur die wenigsten waren auch wirklich beim Fernsehen tätig.

Huch! Da haben wir jetzt aber abschließend unnötigerweise ein wirklich undankbares Thema angeschnitten und erlauben uns ganz unverhohlen selbiges zu wechseln: Schenken Sie doch mal wieder was Schönes!
In den unermesslichen Weiten des Internet haben wir eine Künstlerin aufgetan, die durch eigenwillige Porzellan-Kreationen ihren Beitrag zur Romantisierung ansonsten verstaubter Kommoden- oder Regalablagen leistet: Jessica Harrison.

Jessica Harrison
Foto (Collage): © Jessica Harrison